Die zunehmende Internationalisierung der Branche, ihre gestiegene Wettbewerbsintensität und die damit einhergehenden innovationshemmenden Strukturveränderungen in den Betrieben, aber auch die veränderten gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen in Deutschland, haben in den letzten Jahren zu einem Bedeutungsverlust der deutschen Pharmaindustrie im internationalen Vergleich geführt. Der Welt-Pharmamarkt wird zunehmend von großen, vor allem angelsächsischen Unternehmen dominiert. Ohne weitere politische und ökonomische Anstrengungen dürfte sich der schleichende Bedeutungsverlust der deutschen Pharmaindustrie fortsetzen. Ohne eine leistungsfähige deutsche Pharmaindustrie wird ein nach den Grundsätzen der Solidarität organisiertes Gesundheitssystem nicht erreichbar sein.
Notwendige politische Rahmenbedingungen
Im deutschen Gesundheitssystem sind Reformschritte notwendig, die nicht nur auf Einsparpotentiale bei den Patienten und der Pharmaindustrie setzen. Wichtig ist eine komplexe Strukturreform des Gesundheitssystems unter Wahrung einer solidarischen Krankenversicherung, bei der alle Leistungserbringer einbezogen werden.
Im Ergebnis muss für die Unternehmen der pharmazeutischen Industrie größere Planungs- und Innovationssicherheit stehen, um die Entwicklung und Vermarktung von innovativen Arzneimitteln in Deutschland nicht weiter zu beeinträchtigen, sondern zu forcieren. Dies ist auch zur Wahrung eines solidarischen und effizienten Gesundheitssystems unverzichtbar.
Dem Ausbau der medizinischen und pharmakologischen Forschung - insbesondere der Spitzenforschung - kommt dabei eine zentrale Rolle zu. Hier sind besondere Anreize erforderlich, um Spitzenforscher und Spitzenforschungen in Deutschland zu halten und gegebenenfalls zurückzuholen. Die IG BCE fordert von der Politik und den Unternehmen eine weitere Verbesserung der Rahmenbedingungen und verstärkte Forschungsausgaben, so wie in den USA und einigen Staaten Europas. Auch die Grundlagenforschung ist durch die öffentliche Forschungsförderung und die Unternehmen stärker zu unterstützen.
Notwendig ist die vermehrte Einrichtung von Partnerschaften und Netzwerken zwischen Pharmaindustrie, Forschung, Biotechnologie-Unternehmen und öffentlichen Forschungseinrichtungen. Die Vermittlung und Umsetzung von Forschungsergebnissen und innovativen Ideen sind zu verbessern. Forschungseinrichtungen und Universitäten müssen ihre Anwendungsorientierung erhöhen.
Die IG BCE fordert höhere Investitionen im Bereich Forschung und Entwicklung durch die Europäische Union und ihre Mitgliedstaaten, um europäische Spitzenforschungsnetze zu schaffen. Eine Finanzierung über einen ausreichend langen Zeitraum ist zu sichern, so dass durch ein hohes Maß an Stabilität und Sicherheit eine kontinuierliche, innovationsfreundliche Forschungsteamarbeit ermöglicht wird. Die Vergabe der Fördermittel sollte den Wettbewerb der Forscher untereinander fördern. Nach der Schaffung identischer Rahmenbedingungen müssen europäische Forschungsinstitute installiert werden, um den Forschern einen besseren Wissenstransfer zu ermöglichen.
Die deutsche und europäische Forschungsförderung muss sich dabei besonders auf die Biowissenschaften konzentrieren, denn die Biotechnologie als eine der Basistechnologien liefert innovative Konzepte in vielerlei Hinsicht. Die Nutzung des Potenzials der Biowissenschaften und der Biotechnologie ist eine zentrale Voraussetzung, um Beschäftigung und qualifizierte Arbeitsplätze zu sichern und zu schaffen.
In Deutschland sind die Rahmenbedingungen für klinische Studien zu verbessern. Dazu gehört eine noch stärkere Förderung von interdisziplinären Zentren für klinische Forschungen. Langfristig ist der Aufbau einer europäischen Koordinierungsinstitution - analog zum amerikanischen "National Institut for Health (NIH)" - anzustreben. Kurzfristig muss es zu einer besseren europäischen Koordinierung der klinischen Forschungen kommen.
Die Kooperation von Universitäten und außerklinischen Forschungsinstituten muss intensiviert werden. Notwendig sind außerdem Initiativen, die die Akzeptanz von klinischen Studien in der Bevölkerung erhöhen und zur Attraktivitätsförderung der klinischen Forschung für den wissenschaftlichen Nachwuchs beitragen. Unerlässlich ist es, dass die gesetzlichen Krankenkassen auch weiter die ohnehin anfallenden Kosten stationärer Behandlungen bei klinischen Prüfungen übernehmen.